UW-Fotokurs / Lession 9
Videolicht und Blitz
Wie wir bereits in den vorhergehenden Artikeln gelesen haben, sind externe Lichtquellen
unter Wasser ein unverzichtbarer Faktor, da es erst die Farbenvielfalt im Bild
ermöglicht. Dabei müssen wir unter zwei grundsätzlichen externen Lichtquellen
unterscheiden. Dem Elektronenblitz und dem Videolicht.
Das Videolicht
Eine Videolichtanlage
sollte als fixer Bestandteil in die Kosten einer UW-Videoausrüstung eingeplant werden.
Dabei sollte besonders auf folgende Punkte Acht gegeben werden:
- Farbtemperatur
Tageslicht hat eine Farbtemperatur von ca. 5000 K und ermöglicht das volle Spektrum an
Farben von Rot bis Violett. Während höhere Farbtemperaturen eine Farbverschiebung ins
Blaubereich verursachen, bringen niedigere Temperaturen eine Verschiebung ins Rotbereich.
Da vor allem die Rottöne unter Wasser rar werden, ist eine Verschiebung ins Rotbereich
für den UW-Filmer vorteilhaft. UW-Videoleuchten haben somit idealerweise eine
Farbtemperatur um 3600 K
- Brenndauer
Ein wesentlicher Faktor ist die Brenndauer der Lichtanlage. Es hilft nicht eine
UW-Hochleistungsleuchte mit 30 Minuten Brenndauer zu haben, wenn man 50 Minuten Video
aufnehmen möchte. Die Aufnahmezeit und die Brenndauer der Lampe sollte aufeinander
abgestimmt sein. Dabei spielt auch die Leistung der Lampe eine entscheidende Rolle. Wird
die Lampe mit 100% Leistung betrieben, ist die Brenndauer natürlich wesentlich kürzer
als mit 50%. Auch ein Abschalten der Lampen während der Zeit in der nicht gefilmt wird
macht Sinn.
- Leistung
Brenner mit hoher Leistung brauchen zwar mehr Energie, haben aber eine wesentlich bessere
Lichtausbeute als schwache Funzeln. Allerdings kann in manchen Fällen zu viel licht auch
störend sein und eine bessere Stimmung bei weniger Licht vermittelt werden. Die ideale
Lösung ist eine leistungsstarke UW-Videolichtanlage, welche allerdings stufenlos dimmbar
ist.
- Lichtstreuung
Eine Videolichtanlage soll immer einen "flood"-Reflektor und nie einen
"spot"-Reflektor haben. Der Reflektor ist für die Verteilung des Lichtes im
Raum zuständig. Während der Flood-Reflektor das gesamte Bild ausleuchtet, erzeugt der
Spot-Reflektor einen scharf abgegrenzten Bildpunkt. Lampen mit Spot-Reflektoren sind für
Videofilmen nicht geeignet.
- Schlagschattenwirkung
Um beim Filmen Schatten zu vermeiden, sollten immer mind. zwei Lampen, welche an der
Kamera montiert sind verwendet werden.
- Gewicht
Die Videolichtanlage sollte nicht allzu schwer sein und unter Wasser auf der Kamera nahezu
neutralen Auftrieb haben. Hat die Gesamtanlage zu viel oder zu wenig Auftrieb, kann sie
unter Wasser nicht ruhig bedient werden. Beim Filmen muß der Taucher richtig austariert
sein ! Ein weiterer Aspekt ist auch das limitierte Fluggepäcksgewicht !
- Flexibilität und Bedienbarkeit
Die Lichtanlage soll einigermassen flexibel bewegt werden können. Dazu gibt es entweder
schwenkbare Lampenhalterungen, oder flexible Rohre:
Schwenkbare Lampenhalterung
 Vorteil: Stabil
Nachteil: Nicht so flexibel wie flexible Rohre |
Flexible Rohre 
Vorteil: in alle Richtungen flexibel
Nachteil: wenig stabil |
Ein wichtiger Punkt ist die Bedienbarkeit der Lampen. Sollen beide Lampen über einen
gemeinsamen Regler bedient werden, oder ist jede Lampe seperat dimmbar ? Beide
Möglichkeiten haben Sinn und erfüllen ihren Zweck !
- Ladezeit
Ein wichtiger Faktor ist die Ladezeit des Akkus. Soll nach dem Tauchgang ein zweiter
Wiederholungstauchgang gemacht werden und dabei gefilmt werden, sollte die Ladezeit des
Akkus möglicht kurz sein. Dazu kann man entweder ein Schnelladegrät des jeweiligen
Herstellers, oder man muß einen leider relativ teuren Ersatzakku verwenden.
- Wartungsfreundlich
Die UW-Lichtanlage sollte wartungsfreundlich und leicht zerlegbar sein.
- Preis und Service
Neben den Preis sollte auch das Service des Herstellers bzw. des Vertriebspartners
stimmen. Es hilft nichts ein super Hi-Tech System zu besitzen, wenn man die Lichtanlage
alle 50 Tauchgänge zur Wartung in die USA senden muß, weil der Hersteller keinen
Wartungspartner in Europa hat !
Videolicht für Fotografen
Manchmal weichen UW-Fotografen auf Videoleuchten aus. Diese haben den Vorteil, daß sie
konstantes gleichmäßiges Licht ausstrahlen und die Kamera vor allem bei dünkleren
Stellen gut fokusieren kann. Allerdings haben UW-Leuchten in Gegensatz zu
Elektronenblitzen einige gravierende Nachteile:
- Gewicht: Der Elektronenblitz ist wesentlich leicher als die UW-Videolichtanlage
- Lichtausbeute: Die Lichtausbeute eines Blitzes ist stärker, da der Blitz die volle
Energie nur in einer sehr kurzen Zeit abgibt.
Der Elektronenblitz
Für den UW-Fotografen ist der Elektronenblitz das ideale Mittel Licht ins Dunkel zu
bringen. Der Elektronenblitz gibt eine große farbneutrale Lichtmenge innerhalb einer sehr
kurzen Zeit ab. Er ist einigermassen handlich und leicht bedienbar.
Folgende Punkte sind für die Wahl des richtigen Blitzgerätes wichtig:
- Die Leitzahl
Die Leitzahl gibt die Leistung des Blitzes an und wird vorwiegend für kleine mit der
Kamera verbundene Blitzgeräte verwendet. Die Leitzahl ist das Produkt vom Abstand
Blitz-Objekt und die erzielte Helligkeit in Bezug auf die Blende bei verwendung eines ASA
100 (DIN 21) Films.
Beispiel 1: Wenn ein Objekt 5m entfernt ist, und der Blitz bei Blende 8 es erfolgreich
ausleuchtet hat der Blitz eine Leitzahl von 5*8 = 40
Beispiel 2: Ein Blitz mit Leitzahl 15 kann ein Objekt welches 5 m entfernt ist mit der
Blende 2.8 ausleuchten:
15:5 = 3 (nächste Blendengröße 2.8)
Zu Bedenken ist allerdings, daß sich die Angaben nur auf einen 100 ASA Film und
OBERWASSER !!! beziehen.
- Der Reflektor
Der Reflektor ist für die Lenkung des Lichtes verantwortlich. Einige teurere
Blitzgeräte haben einen zoombaren Reflektor, welcher dafür sorgt, daß das Licht im
Bildausschnitt optimal genutzt wird. Bei UW-Blitzgeräten sind zoomreflektoren eher die
Ausnahme.
- Die Technologie:
Prinzipiell sind drei Arten häufig:
- Der eingebaute Blitz
In den meisten Digitalkameras ist ein kleines Blitzgerät eingebaut. Dieses leistet ober
und unter Wasser gute Dienste, obwohl es in seiner Leistung stark eingeschränkt ist.
Richtig eingesetzt lassen sich allerdings auch sehr gute Fotos damit machen !
- Der Sklavenblitz
Ein Sklavenblitz ist ein Blitz welcher durch eine Fotozelle ausgelöst wird. Dadurch ist
eine fixe Verbindung zur Kamera nicht erforderlich, der Blitz kann losgelöst und autonom
verwendet werden. Ausgelöst wird der Sklavenblitz durch den kleinen internen Blitz der
Kamera im freien Wasser oder durch einen Lichtwellenleiter, welcher die Kamera mit dem
Blitz verbindet.
Vorteil: günstger Preis, kann bei günstigen Kameras welche über keine TTL Steuerung
verfügen und günstigen UW-Gehäusen eingesetzt werden.
Nachteil: Synchronisationsprobleme, Manuelle Einstellungen notwendig
- Der TTL-Blitz
TTL Technologie ermöglicht das Steuern des Blitzes und Messen der Lichtmenge durch die
Kamera. Der Vorteil ist beste Bildqualität, der Nachteil ist ein teures UW-Fotosystem,
bei welchen sowohl Kamera als auch Gehäuse TTL unterstützen. TTL ist leider nicht gleich
TTL, da die Hersteller unterschiedliche Wege gehen. Achte daher darauf, daß
Blitz-Gehäuse-Kamera aufeinander abgestimmt sind !
Tips & Tricks
Tip: Falls Du eine
UW-Kamera schon hast, versuche unter Wasser herauszufinden, welcher Einsatzbereich des
Blitzes der Richtige dafür ist ! Ist eine Erweiterung des bestehenden Systems sinnvoll,
oder lohnt sich schon der Umstieg auf ein neues System ? Schiesse Fotoserien mit
unterschiedlichen Einstellungen um ein Gefühl für den Einsatzbereich zu bekommen !
Tip: Falls Du noch
keine UW-Kamera hast, überlege was Du vom UW Fotografieren bzw. Filmen erwartest ! Reicht
eine günstige einfache Lösung mit eingeschränkter Nutzung, oder möchtest Du eine
Hyper-Drüber-Profilösung, welche allerdings auch entsprechend teuer ist.
Tip: Wichtig ist
nicht die Supertechnologie, sondern Deine Erwartungen an den Einsatz ! Auch mit günstigen
digitalen Fotoapparaten ohne Zusatzequipment lassen sich Spitzenfotos machen ! Versuche
möglichst viele unterschiedliche Situationen zu fotografieren und betrachte Deine Bilder
kritisch. Hat das Bild die Grenze der Kamera erreicht, oder sind andere Gründe z.B.
falsche Einstellungen? die Ursache ?
Lession 10 (9.4.2005) :
Weitwinkelfotografie
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