UW-Fotokurs / Lession 8
Der Weissabgleich
Digitalkameras haben noch eine besondere Eigenschaft gegenüber analgen Kameras: Sie
führen, genauso wie das menschliche Auge, einen sog. Weissabgleich durch. Mit der
Frage was das ist, und warum er uns UW-Filmern so viele Probleme macht wollen wir
hier befassen.
Der Weissabgleich ist eine Funktion die die Digitalkameras bzw. den Camcorder einer
bestimmten Farbtemperator der Lichtverhältnisse am Aufnahmeort anpasst. Dabei ist
die Farbe weiss der Maßstab für die Adjustierung der Farbenanteile rot grün blau. Der
Weissabgleich hilft uns die Farben eines Bildes richtig darzustellen. Würde man bei
Neonlicht fotografieren oder filmen würde das Ergebnis grünlich sein, bei Glühbirnen
oder Kerzenlicht rot oder gelblich. Der Weissabgleich löst dabei unser Problem und stellt
die Farben so dar wie sie sein sollten (jedenfalls meistens !)
Die Digitalkamera ermittelt aus den Farbmengen des Motives die Farbtemperatur und
errechnet daraus den damit verbundenen Weissabgleich. Bei Neonlicht (Farbtemperatur 3000K)
stellt der Weissabgleich auf Neonlichtfunktion (Indoor). Wenn aber gleichzeitig die Sonne
(Farbtemperator 6500K) durchs Fenster lacht und das Motiv sich im Mischlicht befindet hat
die Kamera ein Problem: Soll sie sich nun für Indoor oder Outdoor entscheiden ?
Um der Kamera die Entscheidung zu erleichtern gibt es verschiedene
Weissabgleichs-Funktionen:
Der Outdoor Weissabgleich
Dabei wird die Kamera auf Tageslicht fix eingestellt. Diese Einstellung eignet sich vor
allem beim normalen Filmen im offenen Riff. Es werden dabei die Farbe "rot"
etwas angehoben und die Kamera liefert ohne Lichtanlage und Rotfilter auch gute
Ergebnisse:

Beim massiven Einsatz von Kunstlicht, wird das Bild mit der Outdoor-Funktion etwas
rotstichig. Das kann allerdings mit einem Grafikprogramm wieder behoben werden.

Der Indoor Weissabgleich
Der Indoor Weissabgleich ist für das Fotografieren bzw. Filmen bei Kunstlicht gedacht.
Unter Wasser wird diese Einstellung von mir nicht verwendet.
Automatischer Weissabgleich
Dabei entscheidet sich die Kamera welche Farbe die Farbe weiss ist. Unter Wasser stellt
das allerdings ein Problem dar: Da wichtige Farbanteile unter Wasser fehlen entscheidet
sich die Kamera mit Sicherheit richt richtig für die Farbtemperatur. Die Farbe weiss wird
falsch interpretiert und die gesamte Farbskala falsch dargestellt:

Bei diesem Bild sind wir nahe am Wrack und von der Oberfläche haben wir starken
Lichteinfall. Die Kamera hat sich in dieser Situation mehr als falsch entschieden ! Eine
Nachkorrektur am PC hat keine wesentlichen Verbesserungen mit sich gebracht. Das Bild ist
eine typisch schwierige Lichtsituation. Sowohl die Helligkeitsregelung als auch
Weissabgleich stellt dabei ein Problem dar !
Den automatischen Weissabgleich verwende ich ausschliesslich bei Nachttauchgängen.
Dabei sind die Lichtverhältnisse dank der Unterwasserlichtanlage so stabil, daß die
Kamera die Farben optimal einstellen kann:

Manueller Weissabgleich "Hold"
Bei der sog. "Hold" Funktion wird der Weissabgleich manuell über eine
Weissabgleichskarte eingestellt. Dabei wird der Weissabgleich der Kamera mit der Karte
kalibriert. Was wie eine echte Lösung klingt bringt leider das Problem mit sich, daß der
Weissabgleich unter Wasser meistens nicht möglich ist, weil nur wenige
Unterwassergehäuse diese Funktion unterstützen.
Die folgende Karte wird von Amphibico
hergestellt (kostet USD 225 !!) und bietet die Kalibrierung des Weissabgleichs unter
Wasser, soweit das auch das Kameragehäuse unterstützt.
Tips & Tricks
Tip: Weissabgleich
auf Outdoor setzen. Sollte immer bei normalen Rifftauchgängen gemacht werden.
Tip: Rotfilter
verwenden: Der Rotfilter bringt Rotlichtanteile in das Bild, dabei hat es die Kamera
leichter den Weissabgleich einzustellen. Wichtig: Der Rotfilter sollte unter Wasser
abnehmbar sein !
Tip: Die Kamera bei Tageslicht auf einer
flaschengrünen Fläche justieren. Das habe ich selbst nicht ausprobiert, da ich eine
starke UW-Lichtanlage verwende und bei deren Einsatz sicherlich starke Farbverzerrungen
haben würde.
Lession 9 (12.3.2005) : Videolicht und
Blitz
|