UW-Fotokurs / Lession 1
DER EINSTIEG
Wie alles begann...
Tauchen hat sich seit Ende der 80er Jahre mehr und mehr zum Massensport entwickelt und
einen neuen Impuls für Fotografie und Foto gesetzt. Waren Unterwassergehäuse für
Fotoapparate und Kameras früher Exoten, findet man heute diese in fast jedem Fotoladen.
Das Material der Gehäuse sowie deren Funktion wurden entscheidend verbessert. Der
Konkurrenzkampf senkt die Preise und das Potential an Interessenten scheint unermesslich.
Dabei hat alles so einfach angefangen. Der Tauchpionier Hans
Hass filmte im Jahre 1938 erstmals in der Adria unter Wasser. Er ließ sich von einem
Schlosser ein wasserdichtes Gehäuse für seine 16mm Schmalfilmkamera bauen und begab sich
damit auf Unterwasserpirsch. Damit war der Bann gebrochen und man konnte von nun an
die Schönheit der Unterwasserwelt auf die Leinwand holen. Die Erfindung der
Unterwasserlichtanlage bzw. des Unterwasserblitzes setzte einen weiteren Meilenstein der
Unterwasserfilmgeschichte. Ab diesen Zeitpunkt konnte auch die Farbe der Riffe und ihrer
Bewohner dokumentiert werden.
In den Jahren darauf wurde die Technik immer ausgefeilter und besser. Das Material der
Gehäuse wurde leichter und die Gehäuse kompakter. Kameras und Fotoapparate wurden immer
komplexer und erhielten mehr und mehr Funktionen. Die Unterwasserkameras Rolleimarin und Sea&Sea
wurden die bekanntesten Marken für Fotografie und Film unter Wasser.
Mit Einsetzen des Tauchbooms drängten immer mehr Firmen in dieses, noch junge
Marktsegment. Firmen wie Ikelite, Seacam, Sealux, BS Kinetics
setzten Standards in der Entwicklung der Gehäuse, welche aus Kunststoff, Aluminium oder
Karbonfaser bestanden. Mit Einsetzen der Digitaltechnologie erzeugten auch die großen
Fotoapparat-Hersteller Unterwassergehäuse, welche einerseits einen großen Preisdruck auf
den Markt ausüben, andererseits die Unterwasserfotografie preislich leichter
erschwinglich machen.
Filmen oder Fotografieren
Die Entscheidung ob man filmt oder fotografiert wird einem heute nicht leicht gemacht.
Sowohl Film als auch Fotosysteme sind technisch sehr weit fortgeschritten. Wichtig bei
dieser Betrachtung ist allerdings das Ergebnis welches erzielt werden soll. Dazu die
folgende Übersicht:
| Film |
Fotografie |
| Vorteil: Einfangen bewegter Bilder und Situationen, einzelne
Bilder können aus dem Film herausgenommen werden. |
Vorteil: Hochauflösende, scharfe Einzelbilder |
| Nachteil: geringe Auflösung (720x576) Pixel, Unscharfe
Einzelbilder welche bestenfalls fürs Internet geeignet sind. |
Nachteil: Verhalten von Tieren kann nicht wiedergegeben
werden, fehlen des Gesamteindruckes der Unterwasserwelt. |
| Zubehör: Rotfilter, Unterwasservideolichtanlage,
Weitwinkellinse, ev. Doomport |
Zubehör: Rotfilter, Unterwasserblitz, verschiedene Macro und
Weitwinkelobjektive bzw. Linsen |
| Handhabung: Ruhige Kameraführung erforderlich, einfache
Handhabung, da nicht so viele Funktionen wie beim Fotoapparat möglich. |
Handhabung: Durch viele Einstellungsmöglichkeiten komplexere
Handhabung als beim Filmen, gute Kenntnisse der Fotografie Oberwasser von Vorteil.
Auslösung der Kamara im richtigen Moment. |
Preis (Beispiel: SonyPC 120, BSKinetics Gehäuse,
Hartenberger Videolicht)
Kamera: EUR 1500.-/Gehäuse: EUR 1400.-/Lichtanlage: EUR 800.-Summe: EUR 3700.- |
Preis (Beispiel: Nikon D70, Sealux CD 70 LD mit
Planport, Unterwasserblitz SB-80DX)
Kamera: EUR: 1250.-/Gehäuse: EUR 1600.-/Blitz: EUR900.-
Summe: EUR 3750.- |
Beide hier angeführten Systeme stellen gute Ausrüstungen des Semi-Professionellen
Fotografen bzw. Filmers dar. Die Kosten sind dabei fast gleich. Fotogehäuse sind deshalb
etwas teurer, da einerseits mehr Funktionen nach aussen geführt werden müssen,
andererseits die Ports (Doomport oder Planport) austauschbar sein sollen Man sieht,
daß sowohl das Fotografieren als auch Filmen Vor- und Nachteile hat.
Probleme der Farbgestaltung, des Weissabgleiches, der Beleuchtung und Nachbearbeitung
sind für Filmer und Fotografen gleich, daher wird in den Kapiteln über die
Bildbearbeitung nur auf das Fotografieren eingegangen.
Umweltbewusstes und sicheres Unterwasserfilmen
Als Unterwasserfilmer bzw. Fotograf, kommt es nicht alleine auf die schönen Bilder an.
Auch die Natur sollte nach den Tauchgängen intakt bleiben. Daher gilt vor allem für
UW-Fotografen und Filmer:
NICHTS ANGREIFEN !
Die Zeiten, in denen ein Jaques Costeau eine Koralle abbricht und stolz in die Kamera
hält oder Hans Hass als Unterwasserjäger einen Hai erlegt, sind vorbei. Im Laufe der
letzten Jahrzehnte ist der Unterwassersport sowie damit das Filmen immer beliebter
geworden und hat sich in manchen Gegenden zum Massentourismus entwickelt. Würde jeder
Taucher nur eine einzige Koralle abbrechen, wären die Riffe und damit der Lebensraum
vieler Tiere sehr schnell zerstört.
Besonders Unterwasserfotografen und Unterwasserfilmer neigen dazu sich bei
Macro-Aufnahmen abzustützen bzw sich beim Filmen zu stabilisieren
("Unterwasserstativ"). Das führt bei Korallen oft zu nicht wieder
gutzumachenden Schäden. Zusätzlich kann der Taucher sich auch schwere Verletzungen
zufügen, da manche Korallen- und Anemonenarten über starke Nesselgifte verfügen.
Auch die von vielen Fotografen vertretene Meinung "Da halte ich mich halt mit zwei
Fingern kurz auf einer Hartkoralle an.." ist falsch, da gerade der Druck, welcher
über die Fingerspitzen ausgeübt wird, sehr stark auf die Koralle wirkt.
Fische darf man nicht berühren, da dadurch ihre sensible Schleimschicht zerstört wird
und das Tier durch Pilzbefall elend verendet.
TIERE BLIBEN DORT WO SIE SIND !
Das Schlimmste sind Fotografen die mit Giften Fische betäuben und auf Korallen bzw. in
Anemonen zu setzen um nur ein schönes Foto zu bekommen. Zum einen wird der Fisch
durch das Betäubungsmittel zum anderen durch das Nesselgift der Anemonen stark verletzt
bzw. getötet.
Tiere die schlafen oder sich in einen Felsspalt verstecken dürfen nicht herausgezogen
werden. Fatale Folgen hat das immer wieder bei Tauchern, die schlafende Ammenhaie
aus der Höhle ziehen um ein tolles Foto zu bekommen.
PERFEKTES TARIEREN !
Um Szenen nicht zu verwackeln ist perfektes Tarieren unbedingte Voraussetzung für
einen guten Unterwasserfilm. Daher übe zuerst Tauchen und sammle Erfahrung. Dann
erst beginne zu filmen bzw. zu fotografieren.
HALTE DAS MEER SAUBER !
Fotokartons und alte Batterien gehören nicht ins Meer bzw in den See. Da sollte zwar
für jedermann verständlich sein, ist es aber leider offenbar nicht.
FOTOGRAFEN STERBEN EINSAM !
Auch wenn fotografiert oder gefilmt wird, ist Tauchen trotzdem ein Partnersport ! Daher
die folgenden Tipps:
- Tauche wenn möglich immer mit dem selben Partner. Diesem sind Deine
Tauchgewohnheiten bekannt und er/sie kann Dich beim Filmen unterstützen (sog
"Sklavenblitz") bzw. für Fotos und Filmazfnahmen Modell stehen.
- Informiere Deinen Buddy vor dem Tauchgang, daß Du filmst bzw. fotografierst. Wenn Du
nicht eine halbe Stunde vor einem Felsspalt mit Muräne hängst, wird er auch Verständnis
dafür aufbringen und Dich unterstützen.
- Sei extrem vorsichtig bei Tief- und Risikotauchgängen, Wenn möglich bilde eine Dreier
oder Vierergruppe und informiere ALLE Tauchpartner davon, daß Du filmst bzw.
fotografierst !
- Achte auf Deinen Luftverbrauch bzw. Nullzeit. Beim Filmen ist man oft so
beschäftigt, daß man auf das Ablesen der Instrumente vergisst. Dann hängt man auf
einmal mit 50 bar an der Schiffsschraube der Thistlegorm auf 28 m. Da mir das trotz meiner
250 Tauchgänge passiert ist, spreche ich hier aus eigener Erfahrung ! Also nochmals
wichtig einen guten Buddy zu haben !
Lession 2: Thema: Was ist ein Bild ?
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